Martin Stadtfeld mit Werken von Mozart und Johann Christian Bach zu Gast im Festspielhaus – 5.5.2018


Mit zarter Linienführung

Als einer der Interpreten der Werke von Johann Sebastian Bach ist Martin Stadtfeld international bekannt und berühmt, im Festspielhaus Baden-Baden widmet er sich nun dem jüngstem Sohn des großen Meisters, Johann Christian Bach. Neben Johann Christian Bachs Sinfonie Nr. 6 und dem Klavierkonzert Nr. 6 stehen bei dem Konzert am Samstag, 5. Mai 2018, 18 Uhr im Festspielhaus Mozarts Klavierkonzert in Es-Dur und die Sinfonie Nr 29 auf dem Programm.

Mit Mozart, Chopin, Liszt war Martin Stadtfeld schon im Festspielhaus zu erleben und 2012 widmete er in Baden-Baden einen ganzen Konzertabend Johann Sebastian und Carl Philipp Emmanuel Bach. Im Konzert am 5. Mai stellt er nun Johann Christian Bach in den Mittelpunkt. Vom jüngsten der Bachschen Söhne präsentieren er und das Münchner Kammerorchester das Klavierkonzert Nr.6 in f-moll und die Sinfonie Nr. 6 in g-moll. Sie nimmt in der Reihe von Johann Christian Bachs Sinfonien eine besondere Stellung ein, ist sie doch die einzige in einer Molltonart. Sie bedient sich der Sprache des musikalischen Sturm und Drang und gilt als eines der persönlichsten Werke des Komponisten, der sonst auf weltmännische Eleganz und Distanz bedacht war. Die g-Moll-Sinfonie Nr. 6 zeigt auch, wie nah der Sohn seinem berühmten Vater als Komponist war: Ihre Musiksprache ist hemmungslos emotional – raue Dissonanzen, abrupte dynamische Kontraste, schroffe Sprünge, überraschende harmonische Wendungen.

Schwer beeindruckt von Johann Christian Bach war Wolfgang Amadeus Mozart, der bereits als Achtjähriger mit ihm musizierte, ihn 1779 in Paris wiedertraf und auf dessen Anregung er den Freimaurern beitrat. So ist es nur folgerichtig in einem Konzertabend die beiden Künstler wieder zusammenzuführen. Martin Stadtfeld und das Münchner Kammerorchester haben für Baden-Baden zu Bach Mozarts Sinfonie Nr. 29. A-Dur und das Klavierkonzert „Jeunehomme“ gewählt. Das 9. Klavierkonzert „Jeunehomme“ gehört mit seiner melodischen Schönheit und Frische nach wie vor zu den beliebtesten und meistgespielten unter Mozarts Klavierkonzerten. Der Musikwissenschaftler Alfred Einstein nannte das Werk in Anlehnung an Beethoven, „Mozarts Eroica“. Der Pianist Alfred Brendel spricht gar von „einem der größten Weltwunder“. Das Konzert wird vor allem auf Grund des zweiten Satzes gerne als Beispiel der Sturm-und-Drang-Phase Mozarts angeführt. (Auch hier die Parallele zu Johann Christian Bachs g-Moll Sinfonie). Die musikalische Originalität zeigt sich in formalen Überraschungen wie etwa dem ungewöhnlichen Einsatz des Solisten bereits im zweiten Takt des ersten Satzes, der Kombination mehrerer Themen, opernhaften Effekten oder der Idee dem Schlusssatz durch einen Tempowechsel musikalisches Gewicht zu verleihen. Der traditionelle Name „Jeunehomme-Konzert“ ist ein reines Fantasieprodukt der Nachwelt. Am 11. September 1778 nennt Mozart die Auftraggeberin in einem Brief „die jenomy“. Mozart-Biograf Otto Jahn bezeichnete dann das Werk als „Klavierconcert für die Jenomy“. Dichtung und Wahrheit vermischten sich, aus Jenomy wurde „Jeunehomme“, eine Legende war geboren, ein Autor schrieb diesen Namen vom anderen ab. Seit 2004 ist die Wahrheit bekannt: „Madame Jenomy“ war das älteste Kind des Tänzers Jean Georges Noverre, verheiratet mit Kaufmann Joseph Jenamy.

Talent der Sonderklasse – Martin Stadtfeld

Als „Talent der Sonderklasse“ bezeichnete die Wochenzeitung „Die Zeit“ den Pianisten Martin Stadtfeld. Er wurde als Sohn einer Tierarztfamilie 1980 in Koblenz geboren, gab bereits mit neun Jahren sein Konzertdebüt und studiert seit seinem 14. Lebensjahr an der Musikhochschule Frankfurt bei Lev Natochenny. 2002 gewann Martin Stadtfeld als erster bundesdeutscher Pianist den Internationalen Bach-Wettbewerb in Leipzig. Einem breiten Publikum bekannt wurde Martin Stadtfeld mit seinem 2004 erschienenen Debüt-Album der „Goldbergvariationen“ von Johann Sebastian Bach. Es landete auf Anhieb auf Platz eins der deutschen Klassik-Charts und wurde auch international ein Bestseller.

Konzertauftritte führten ihn in die wichtigsten Musikzentren und zu den großen Orchestern Europas, den USA und Asiens. So gastierte er in der Sumida Triphony Hall in Tokyo, dem Seoul Arts Center, dem National Center of Performing Arts in Peking, im Wiener Musikverein und der Tonhalle Zürich. Er gab Konzerte mit renommierten Orchestern wie der Academy of St Martin in the Fields, der Staatskapelle Dresden und den Wiener Symphonikern. Es folgten Solo-Debüts im Leipziger Gewandhaus, dem Concertgebouw Amsterdam, im Dortmunder Konzerthaus, der Stuttgarter Liederhalle, der Laieszhalle Hamburg und bei den Salzburger Festspielen.

Das Münchner Kammerorchester

Seit Herbst 2016 leitet Clemens Schuldt die „kleine Edelmusikertruppe“ mit ihrem „hinreißenden Mix aus historischer und moderner Musizierpraxis“ (Reinhard J. Brembeck, Süddeutsche Zeitung). Den Kern des Ensembles bilden 28 fest angestellte Streicher, ergänzt um erstklassige Solobläser aus europäischen Spitzenorchestern. Neben der Hauptspielstätte, dem Münchner Prinzregententheater führten Tourneen das Orchester nach Asien, Skandinavien, Südamerika, Nordkorea und Russland.

Anspruchsvolle Programme, die Werke früherer Jahrhunderte mit Musik der Gegenwart konfrontieren, prägen das Profil des Ensembles. Mehr als 80 Werke hat das Kammerorchester in den letzten beiden Jahrzehnten uraufgeführt und Auftragswerke an Komponisten wie Iannis Xenakis, Wolfgang Rihm, Tan Dun, Jörg Widmann, Beat Furrer, Thomas Larcher und Peter Ruzicka vergeben.

 

Photo: Marco Borggreve

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