Von der Klosterwiese auf den Leisberg


Der folgende Bericht entstand am Abend des 23.5.2018 nach einer Sonderführung des Baden-Badener Gartenamts unter der Leitung von Markus Brunsing über die Klosterwiese und das Obstgut Leisberg. Das Beitragsbild oben zeigt einen kleinen Ausschnitt der Klosterwiese, doch dazu später mehr. Die Führungen des Baden-Badener Gartenamtes, soviel an dieser Stelle, sind ein echter Geheimtipp, nicht nur für Touristen. Auch Baden-Badener können hier unbekannte oder unbeachtete Welten ihrer Stadt (neu) entdecken. Doch genug der Vorrede.

Am Treffpunkt Hirtenhäuschen begann ausnahmsweise die unterhaltsame und humorvolle Führung, die rund dreißig Zuhörer waren überwiegend aus Baden-Baden. Zum Einstieg stellte Markus Brunsing einige bemerkenswerte Bäume, die am Weg hinter dem Hirtenhäuschen stehen, vor. Direkt hinter dem Hirtenhäuschen steht eine Douglasie, etwa 35 Meter hoch, die vermutlich über 100 Jahre alt sein dürfte.

Douglasie hinter dem Hirtenhäuschen

Douglasie hinter dem Hirtenhäuschen

Die Douglasie stammt, wie übrigens nicht wenige Bäume der Lichtentaler Allee und der Klosterwiese, aus den Vereinigten Staaten und erreicht dort eine Höhe von bis zu 100 Metern.

Unser nächster Baum ist ein Nadelbaum, die Sumpfzypresse, ist ein Baum mit der ungewöhnlichen Eigenart, jedes Jahr neu auszutreiben. Sie existiert seit 1640 in Europa und benötigt für ihr Wachstum einen feuchten Grund.

Sumpfzypresse an der Klosterwiese

Sumpfzypresse an der Klosterwiese

Der dritte Baum unserer Führung, nur wenige Meter entfernt, ist eine Scharlacheiche (Quercus coccinea) die ihren Namen von den im Herbst feuerroten Blättern erhält. Sie stammt ebenfalls, wie viele andere Bäume der Lichtentaler Allee und der Klosterwiese, ebenfalls aus Nordamerika.

Die Blätter der Scharlacheiche

Die Blätter der Scharlacheiche

Zwei weitere Bäume, die Zweifarbige Eiche (Querkus bicolor) und die panaschierblättrige Hainbuche mit gelbgrünen Blättern stellte der Gartenamtsleiter vor, bevor er auf die Geschichte der Klosterwiese einging.

Geschichte der Klosterwiese

Die Klosterwiese ging nach der Säkularisation von 1803 in den Besitz des Großherzogtums Baden über, die Nonnen des Klosters behielten aber aufgrund des besonderen Status des Klosters als Grablege der Markgrafen von Baden das Nutzungsrecht an der Wiese. Hier wurden bis in die 50er und 60er Jahre des vergangenen Jahrhunderts Mais und Gemüse angebaut. Der besondere Status der Klosterwiese begründet auch heute noch einen Dreiecksvertrag zwischen dem Land Baden-Württemberg, der katholischen Kirche und der Stadt Baden-Baden, der alle zehn Jahre erneuert werden muss. Etwas abseits, in früheren Zeiten näher am Hirtenhäuschen gelegen, liegt die Dreifaltigkeitskapelle, die auf eine Stiftung von Bauern aus dem Jahr 1761 zurückgeht. Die Bauern der damals eigenständigen Gemeinde Beuern trieben damals ihre Schweine zur Fütterung ins Gunzenbachtal und stifteten zum Dank den Bildstock der heiligen Dreifaltigkeit. 1939 wurde die Kapelle, die mehrfach verändert worden war, aus verkehrstechnischen Gründen an die heutige, etwas abgelegene Stelle versetzt.

Dreifaltigkeitskapelle am Hirtenhäuschen

Dreifaltigkeitskapelle am Hirtenhäuschen

Die Lindenallee, wie wir sie heute kennen, war im Laufe der Jahrhunderte einigen Wechseln ausgesetzt. Der Weg von der Stadt zum Kloster Lichtenthal, in der Sichtweise der Nonnen des Klosters, vom Kloster in die Stadt, war seit dem Mittelalter der Weg des Beerdigungszuges der Markgrafen von Baden in die Fürstenkapelle. Da die Kirche im Kloster für die Öffentlichkeit über Jahrhunderte verschlossen war, mussten umgekehrt die Beuerner Bauern den Weg in die Stiftskirche in Baden gehen.

Ursprünglich bestand an der Klosterwiese keine Allee aufgrund des Vetos der Äbtissin gegen die Pflanzung von Bäumen am Rande des landwirtschaftlich genutzten Geländes. Nach der Säkularisierung wurden ab 1809 Bäume gepflanzt, zunächst Pappeln und Ahornbäume im Wechsel, was einige Jahre später aufgrund des rascheren Wachstums der Pappeln reichlich seltsam aussah. Gartenbaudirektor Zeyer hat dann die Pappeln fällen lassen und an die Stelle der Pappeln rotblättrige Ahorne gepflanzt, was allerdings auch mit der Zeit etwas seltsam aussah. Erst später kamen die heute hier stehenden Silberlinden hinzu.

Blattwerk der Silberlinden

Blattwerk der Silberlinden

Die Silberlinde kommt ursprünglich aus dem ungarischen Raum und ist durch eine silbrigglänzende Blattunterseite gekennzeichnet. Diese bildet einen besonderen Schutz für den Baum, der sich durch Drehen der Unterseite der Blätter nach oben an heißen Tagen vor zu großem Wasserverlust schützen kann. Die Blütezeit der Silberlinde ist relativ spät im Monat Juli, was dem Baum bis in die jüngere Vergangenheit den Ruf eingetragen hat, ein Bienenmörder zu sein, da Bienen und Hummeln vermehrt in dieser Zeit unter dem Baum verendeten. Lange Zeit wurde vermutet, dass die Blüten der Silberlinden einen für Bienen und Hummeln tödlichen Stoff enthalten würden. Erst die jüngere Forschung hat den Baum rehabilitiert. Die Blüten der Silberlinden enthalten keinen für die Insekten gefährlichen Stoffe, die Tiere waren in dieser Zeit einfach normal am Lebensende ihres Zyklus angekommen.

Womit wir bei der Geschichte der Anlage der Klosterwiese angekommen wären. Die im Inneren liegende Reitbahn wurde 1898 begonnen und fünf Jahre später zu einer vollständige Runde gestaltet. Der neben der Klosterwiese liegende, schmale Asphaltweg, war keineswegs als Spazierweg, sondern 1898 als Fahrradbahn für die neu aufgekommene Trendsportart des Fahrradfahrens geschaffen. Diese reichte vom Hirtenhäuschen bis zum Kloster Lichtenthal, am Ende wurde zur Sicherheit der noch unsicheren Radfahrer jeweils ein Wendeknubbel geschaffen.

Neu angepflanzt wurden zur Abtrennung von Reitbahn und der historischen Fahrradbahn, die heute allerdings nur noch von Joggern und Spaziergängern genutzt wird, 2300 Wildrosen, die nach einem bestimmten Farbschema mit dominantem Rosa gesetzt wurden.

Ein besonderer Baum am Rande des Dahliengartens ist der Tulpenbaum links vom Benazét Pavillon. Er stammt ebenfalls aus Nordamerika und gehört zur Familie der Magnoliengewächse. Seine besonderen Blätter verdienen einen besonderen Namen: Sattelförmige Mittellappen mit zwei Seitenlappen. Sehenswert sind die Blüten des Tulpenbaums

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Tulpenbaumblüte im Dahliengarten

Tulpenbaumblüte im Dahliengarten

Das Obstgut Leisberg

Das Obstgut Leisberg, im 19. Jahrhundert als adeliges Gut, im Stil der damaligen Zeit als „Ferien auf dem Bauernhof“ begründet, wurde alsbald an den Karlsruher Brauereibesitzer, Herrn Schremp verkauft. 1919 kaufte die Stadt Baden-Baden das gesamte Anwesen, möglicherweise vor dem Hintergrund der Hungererfahrungen der Bevölkerung während des Ersten Weltkrieges.

Obstgut Leisberg

Obstgut Leisberg

1933 wurde das Obstgut zum Musterobstgut erklärt und der Ideologie der Zeit entsprechend ausgestaltet. Nach dem Krieg, vor etwa 25 bis 30 Jahren verpachtete die Stadt schließlich das Gut an einen privaten Pächter, der auch heute noch ein Stück des Guts bewirtschaftet. In Zusammenarbeit zwischen dem Städtischen Gartenamt und der Bürgergemeinschaft Unterbeuern gelang es, Paten für die Bäume, der Aufgabe in der Pflege liegt, zu gewinnen, während die Stadt die Pflege des Geländes und die Neuanpflanzung von weiteren Obstbäumen in die Hände nahm. Im Bild oben sind Neuanpflanzungen zu sehen.

Alte Obstsorten werden neu gepflanzt

Ein besonderes Augenmerk bei den Neuanpflanzungen liegt auf dem Erhalt alter Obstsorten wie beispielsweise der früher weithin exportierten „Bühler Zwetschge“, die ihren Weg bis nach Italien fanden. 1957 wurden noch 20.000 Tonnen der begehrten Zwetschge geerntet, 2016 waren es nur noch 720 Tonnen. Die Wirtschaftlichkeit der Bühler Zwetschge, sie ist ein schwerer zu pflegender und zu erntender Hochstamm, war im Vergleich zu niederstämmigeren Obstbäumen nicht mehr gegeben.

Eine unscheinbare Besonderheit auf dem Gelände ist die fast ebene Fläche oberhalb der Obstbäume. Hier spielten die ersten Besitzer des Gutes Tennis.

Noch ein Stück weiter beginnen die ursprünglichen Parkanlagen, unter anderem mit hohen Urwald Mammutbäumen.

Mammutbaum auf dem Leisberg

Mammutbaum auf dem Leisberg

Das ursprüngliche Gutshaus wurde aufwendig saniert und gehört heute in den Privatbesitz.

Eine weitere Besonderheit ist das Arboretum vor dem Gutshaus. Hier investiert die Stadt, genauer das Gartenamt erhebliche Arbeitskapazitäten, da das Gelände über mehrere Jahrzehnte nicht mehr gepflegt wurde. Aber es lohnt, die mächtigen und schönen Bäume, hier zwei Thujas (Lebensbäume) zu erhalten.

Thujas (Lebensbäume) im Arboretum auf dem Leisberg

Thujas (Lebensbäume) im Arboretum auf dem Leisberg

Siehe auch Wanderung vom Obstgut Leisberg zu den Geroldsauer Wasserfällen

Fotos: Peter Dippold

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