Geschichte

 

Besiedlung durch die Römer

Römische Badruinen FundUm 74 nach Christus beginnt die Besiedlung des heutigen Stadtgebiets durch die Römer. Ab 84 nach Christus wird ein Militärlager und auf dem Gelände des heutigen Marktplatzes eine großzügige Badeanlage erbaut. Die Umrisse der Badeanlage sind teilweise heute noch mit schwarzem Pflaster auf dem Marktplatz der Stadt sichtbar und lassen erahnen, welche Bedeutung die Badeanlagen vor knapp 2000 Jahren hatten. Unterhalb des Friedrichsbades findet sich die Ausstellung der Funde römischer Badruinen. Auch der römische Name der Siedlung Aquae verweist auf die Bedeutung der heißen Quellen am Florentinerberg. Die römische Herrschaft über das Gebiet endet mit dem Vordringen der Alemannen um 260 nach Christus.

Baden-Baden im Mittelalter

Eine erste urkundliche Erwähnung findet Baden-Baden erst im Jahre 712. Allerdings ist die Echtheit des Dokuments umstritten, wenngleich sein Inhalt Sinn machen würde. Der Merowingerkönig Dagogert III. überlässt dem Kloster Weißenburg im Elsass „… alle über dem Rhein im Ufgau gelegenen Bäder, die von den Kaisern Antonius und Hadrian erbaut wurden, nebst der dazu gehörenden Mark.“
(Quelle: H. Bischoff, Baden-Baden 1996)

Gesichert ist die erste namentliche Erwähnung der Stadt im Jahr 987. Otto III. schenkt Graf Managold, später Haus Nellenburg, den Besitz Badon im Ufgau. 1040 erhält Villa Baden die Marktrechte. Judith, eine Erbtochter des Hauses Nellenburg, das in der Linie ausstarb, bringt dieses badische Erbe in die mit dem Zähringer Hermann II. ein. 1112 wird Hermann II. erstmals „marchio de Baduon“ genannt, die Markgrafschaft Baden ist begründet.

Altes SchlossIn den folgenden Jahren beginnt Hermann II. mit dem Aufbau des Schlosses Hohenbaden, dem heutigen „Alten Schloss“.

Doch es soll noch einige Zeit dauern, bis Baden-Baden seinen Platz im Mittelalter findet. Im 13. Jahrhundert entstehen Wehranlage und erste Umrisse der heutigen Altstadt. Von herausragender Bedeutung ist 1245 die Gründung des Klosters Lichtenthal durch Irmengard, die Witwe Hermann V.

Eine Blütezeit erlebt Baden-Baden ab 1473. Kaiser Friedrich III. kurt in Baden, 1475 wird Baden Residenzstadt. Die Markgrafen verlegen 1479 ihren Sitz ins neue Schloss. Markgraf Christof I. führt die Badener Stadtordnung und die Kurtaxe ein (1507).

Die zweite Blütezeit der Stadt dauert etwa von 1350 bis ins 17. Jahrhundert und wird am 24. August 1689 im pfälzischen Erbfolgekrieg mit dem Niederbrennen der Stadt durch französische Truppen beendet.

Baden-Baden in der Neuzeit

Ansicht: Russisch orthodoxe KircheDie europäischen Verteilungskämpfe zwischen Frankreich, Russland, England, Österreich und Preußen nach der französischen Revolution und die napoleonischen Kriege gingen auch an Baden nicht spurlos vorüber. Bis 1813 war Baden mit Frankreich verbündet, allerdings schuf die badische Erbprinzessin Amalie über familiäre Bande, die spätere Schwiegermutter halb Europas, schon früh die Grundlage für einen Wechsel der Bündnispartner. 1793 verehelichte sie ihre Tochter Luise Marie mit dem späteren russischen Zaren Alexander I., was in Baden-Baden nicht zuletzt zum Bau der russisch-orthodoxen Kirche führte. Die zunächst vollzogene Annäherung an Frankreich sollte sich jedoch für Baden auszahlen. Zwischen 1797 und 1799 fand ein europäischer Friedenskongress in Rastatt statt, der viele Würdenträger in den Kongresspausen  nach Baden-Baden führte.

Bis 1803 vergrößert sich das bis dahin kleine Baden um satte 700%. Zudem kommt es zur Hochzeit zwischen dem badischen Kurprinzen Karl und Stephanie de Beauhernais, einer Adoptivtocher Napoleons. Baulich schlägt sich die familäre Bande im heutigen Brenners Park Hotel mit der Villa Stephanie nieder.

Die geschickte Bündnispolitik des Badener Hauses verhindert, das die Baden in den Untergang Napoleons gezogen wird.

Mit der Verlegung des Sitzes der Residenz des Markgrafen Ludwig Wilhelm nach Rastatt und dem Umzug seiner Witwe und Nachfolgerin Sibylla Augusta ins Schloss Favorite und das Rastätter Schloss, scheint eine Ära für Baden-Baden zu Ende zu gehen.

Thermalquellen und Glücksspiel in Baden-Baden

Büste Pauline Viardot-Garcia

Büste der Pauline Viardot-Garcia

Für Baden-Baden von großer Bedeutung ist das Jahr 1748, Baden-Baden erhält die Glücksspielkonzession. 1775 wird eine Bäderkommission eingerichtet und Friedrich Weinbrenner wird berufen, als Baumeister das Bild Baden-Badens entscheidend prägen. In der Folge der neuen Blüte Baden-Badens entstehen nach 1800 die ersten Luxushotels, zu nennen hier insbesondere der Badische Hof. 1810 und 1811 baut Friedrich Weinbrenner das ehemalige Jesuitenkolleg zum Konversationshaus mit Spielbank um. 1821 bis 1824 wird schließlich das Neue Conversationshaus, das heutige Kurhaus mit Casino gebaut.

Baden-Badens dritte Blütezeit wird in besonderer Weise vom Spiel begründet. Neben der Attraktion der Heilquellen tritt nun das Roulette als Magnet für einen Baden-Baden Besuch auf die Bühne. Ab 1838 pachtet Jean Jacques Bénazet die Spielbank, diese wird nach seinem Tod vom Sohn Edouard weitergeführt. Die gescheiterte bürgerliche Revolution von 1848, deren letzte Kämpfe in Rastatt zu einem blutigen Ende führen, ist in Baden-Baden nicht spürbar.

Die dritte Blütezeit der Stadt lockt nicht nur den Adel und hohe Beamte, sondern auch Künstler von Weltruf in die Stadt, die ihrerseits beste Kontakte knüpfen können. Musik und Literatur blühen auf. Literaten wie Fjodor Dostojewski, Iwan Sergejewitsch Turgenjew, Johann Peter Hebel oder Friedrich Nietzsche kommen ebenso, wie Clara Schumann, Johannes Brahms, Franz Liszt und Pauline Viardot-Garcia.

Die Sommerhauptstadt Europas

Ein hochgestelltes Paar wird ebenfalls regelmäßig als Gast in Baden-Baden begrüßt, der spätere Kaiser Wilhelm I. und seine Gattin Augusta weilen häufig in der Stadt. Dies ändert sich auch durch das Attentat von 1861 auf Wilhelm I., der leicht verletzt wird, nicht. Im heute nicht mehr vorhandenen Maison Messmer trifft sich der europäische Hochadel, werden familiäre Bande geschmiedet und Politik gemacht.

1860 kommt es zum Fürstenkongress in Baden-Baden unter Beteiligung Wilhelm I., Kaiser Napoleon III. und Großherzog Friedrich von Baden.

Mit der Gründung des Deutschen Reiches wird 1872 in ganz Deutschland das Glücksspiel verboten. Zudem bleiben nach dem deutsch-französischen Krieg von 1871/72 die ausländischen Gäste fern. Dennoch ist in den Folgejahren der Einbruch überschaubar und nur von kurzer Dauer. Die Thermalquellen retten einmal mehr die Situation. 1877 wird das für die damalige Zeit einzigartige Friedrichsbad eröffnet. Der erste deutsche Tennisclub wird 1881 eröffnet, um 1900 die ersten Golfplätze. 1882 die russische Kirche errichtet.

Das 20. Jahrhundert in Baden-Baden

Die erste Hälfte des 20. Jahrhunderts wird vor allem durch die beiden Weltkriege geprägt. Im I. Weltkrieg 1914 bis 1918 weicht die anfängliche Kriegsbegeisterung angesichts der vielen Toten einer starken Ernüchterung. Zudem kommt es rasch nach Kriegsbeginn zu einer starken Verknappung von Lebensmitteln. Mehr und mehr wird Personal der Landwirtschaft zum Militär eingezogen, die von England verhängte Seeblockade macht die Einfuhr von Lebensmitteln nahezu unmöglich. Ab 1916 waren auch in Baden-Baden Lebensmittel fast ausschließlich auf Lebensmittelkarten zu beziehen und rationiert. Kohlrüben statt Kartoffeln sollten die hungernde Bevölkerung ernähren.

Ab 1917 standen Erwachsenen in Baden-Baden täglich nur noch 1000 Kilokalorien zu, der Nahrungsmittelbedarf eines Kleinkindes. Dennoch wurde versucht, die Stadt als Kurort zu erhalten. Statt der früher üblichen ausländischen Gäste waren nun verletzte und erholungsuchende Soldaten zu Gast.
(Siehe dazu: Heike Kronenwett (Herausgeberin), Kurstadt im Krieg – Baden-Baden zwischen 1914 und 1918, Baden-Baden 2015)

Das Ende der Monarchie und der Übergang zur Demokratie hatte auch im Lande Baden seine Auswirkungen. Großherzog Friedrich II. dankte ebenfalls ab und verzichtete auf die Regierungsgewalt.

Nach einer turbulenten Phase und immensen Belastungen für die Bevölkerung bis hin zur Inflation von 1923 beginnt sich das Leben in der Weimarer Republik zu normalisieren, ohne dass sich die Bedingungen für die Stadt wesentlich verbesserten. Sinkende Besucherzahlen aus dem Ausland führten zu einer Finanznot, 1930 erreicht Baden-Baden die höchste Pro-Kopf-Verschuldung Deutschlands. Bereits nach dem ersten Weltkrieg mussten namhafte Hotels schließen.

Nationalsozialismus und Judenverfolgung

Gedenkstein Judenverfolgung in Baden-BadenBis 1933 erfolgt ein rasanter Anstieg der Wählerstimmen für die NSDAP, im eigenständigen Bundesland Baden bis auf 627000 Stimmen. Bereits 1933 wird in Baden-Baden das Roulettespiel wieder erlaubt, was für eine Jahre zu einer kurzen Scheinblüte und steigenden Besucherzahlen führt.

Nach 1933 entsteht in Baden-Baden für eine Zeit eine trügerische Ausnahmesituation. Der Rücksichtnahme auf dringend benötigte ausländische Devisen durch Gäste geschuldet, wird Baden-Baden für eine Weile ein Ort relativer Toleranz in einem Meer des Rassenhasses und Antisemitismus. Die Frankfurter Autorin Stefanie Zweig setzt in ihrem Roman, „Die Kinder der Rothschildallee“ Baden-Baden ein kleines Denkmal.

„Waren es nur Kinderträume, die Victoria zurück nach Baden-Baden lockten? Auf alle Fälle waren es Träume, die wenigstens für eine kurze Zeitspanne den Schmerz und den Schock des Jahres 1933 lindern halfen. Der beliebte, sommermilde Kurort in seiner idyllisch schönen Umgebung war nämlich die erstaunliche Ausnahme von der grausamen deutschen Wirklichkeit. Victorias Freundin Susi Kleinmann hatte absolut nicht übertrieben. Als sie mit ihren Kindern im Kurpark die herbstliche Sonne genoss, unter den Kolonnaden flanierte und dabei von den Häusern keine Hakenkreuzfahnen wehten und keine braunen Burschen auf der Straße flanierten, die Nazilieder grölten, die das Herz vereisten, hatte sie wirklich gut schreiben: »Hier gibt es gewisse Leute nicht. Das Leben ist noch wie früher.«
(Stefanie Zweig, Die Kinder der Rothschildallee, München 2011)

Wie Helmut Bischoff in seinem Kunstreiseführer Baden-Baden beschreibt, wissen die Baden-Badener Bürger um die Bedeutung jüdischer Künstler für das kulturelle Leben der Stadt. So erscheint nach der Entlassung des jüdischen Theaterdirektors Robert Klump im Badener Tageblatt ein langer Artikel, der das Werk des Intendanten ausführlich würdigt.

Doch diese kurze Phase scheinbarer Toleranz und Normalität endet spätestens 1937. Auch in Baden-Baden gewinnen Rassismus und Antisemitismus die Oberhand. 1940 wird die verbliebene Baden-Badener jüdische Bevölkerung, 116 Menschen, schließlich in das Lager Gurs deportiert.

Im II. Weltkrieg hat die Stadt das unfassbare Glück praktisch ohne Kriegsschäden durch Bombardements und Beschuss davon zu kommen. Am 12. April 1945 wird Baden-Baden ohne militärische Gegenwehr besetzt, der Krieg ist zu Ende.

Nach 1945 wird Baden-Baden von französischen Truppen besetzt. Baden-Baden wird zum Sitz der französischen Militärverwaltung in Deutschland. Die erste Kursaison wird aber noch fünf Jahre auf sich warten lassen, sie beginnt erst nach Gründung der Bundesrepublik im Jahr 1950 mit der Wiedereröffnung der Spielbank.

 

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