Mit „Biedermann und die Brandstifter“ wird im Theater Baden-Baden ordentlich gezündelt – wird es brennen?


Mit Max Frischs „Biedermann und die Brandstifter“ zieht ab Freitag, 18. Mai, 20:00 Uhr, seltsamer Besuch ins Theater Baden-Baden ein. Richtig gelesen: zwei Brandstifter, ein sogenannter Herr Schmitz (gespielt von Max Ruhbaum) und Herr Eisenring (gespielt Sebastian Mirow), stehen plötzlich im Zuschauerraum des Theaters, die auch irgendwie nicht mehr gehen wollen, es sich bequem machen und munter Benzinfässer in den Saal hineintragen.

Zur Inszenierung

Regisseur André Rößler verlagert das Geschehen von Max Frischs „Lehrstück ohne Lehre“ in seiner Inszenierung von Biedermanns Haus ins Theater. Biedermann, hier Schauspieldirektor (gespielt von Michael Laricchia), und seine Frau Babette, hier Intendantin (gespielt von Nadine Kettler), bekommen es dabei mit Brandstiftern zu tun, die nicht etwa aus armen und zwielichtigen Verhältnissen stammen, sondern gebildet, schlau, mit allen Wassern gewaschen, in Anzug und Krawatte auftreten und genau wissen, was sie tun. Dem Argwohn seiner Frau zum Trotz lässt Biedermann die beiden Herren munter die Benzinfässer weiter ins Haus tragen und tut so, als sei das alles ein simpler, wenn auch makabrer Scherz der beiden Herren. „Jetzt aber mal im Ernst: Da ist doch nicht wirklich Benzin in den Fässern“, sagt Biedermann belustigt zu den beiden. Und Eisenring entgegnet: „Die beste und sicherste Tarnung ist immer noch die blanke und nackte Wahrheit. Komischerweise. Die glaubt niemand.“

Wird Biedermann handeln oder das Offensichtliche weiterhin ignorieren? Werden die Brandstifter es am Ende schaffen, ein Feuer zu legen und das Theater Baden-Baden lichterloh in Flammen aufgehen zu lassen?

Max Frischs tragikomisches „Lehrstück ohne Lehre“ von 1957 ist heute, wo die geistigen Brandstifter immer lauter werden und versuchen in sozialen und kulturellen Debatten kleine, aber gefährliche Brände zu legen, im wahrsten Sinne des Wortes brandaktuell. Welche Ideologie die Brandstifter genau antreibt, ließ Max Frisch bewusst offen und provozierte damit eine Kontroverse. André Rößler inszeniert für das Theater Baden-Baden auch das von Frisch später hinzugefügte, bei anderen Inszenierungen selten gezeigte Nachspiel und nimmt die Zuschauer so direkt aus dem Theater mit in die (erstaunlich unterhaltsame) Hölle, in der sich Biedermann und seine Frau wiederfinden.

Bürgerchor-Projekt am Theater Baden-Baden

Mit auf der Bühne: Menschen aus Baden-Baden und Umgebung, die die Inszenierung als Bürgerchor unterstützen – nicht etwa als Gesangschor, wie das Wort „Chor“ denken lässt, sondern als Sprechchor, der die von Max Frisch sprachrhythmisch, mehrstimmig angelegten Textpassagen übernimmt. Gemeinsam mit dem Regisseur André Rößler erarbeiteten sie diese im Vorfeld schauspielerisch.

Termine und weitere Informationen

Weitere Vorstellungen gibt es am 26. Mai, am 02., 08., 09., 17., 20., 21., 22. und 24. Juni sowie am 06. Juli im Theater. Weitere Informationen und Tickets sind beim Ticketservice in der Trinkhalle (Tel. 07221/932700, E-Mail ticketservice@baden-baden.de) und online auf der Webseite des Theaters (www.theater-baden-baden.de) erhältlich.

Foto Jochen Quast, v. l.: Oliver Jacobs (Meerkatze), Nadine Kettler, Michael Laricchia

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